veröffentlicht am: Oktober 18, 2017

Anfrage an die Europäische Kommission: Unbezahlte Praktika

Wir fragten, Herr Oettinger antwortete!

Gemeinsam mit einigen anderen Abgeordneten des Europäischen Parlaments wollte ich wissen: Wie viele der Praktikant*innen, die die Europäische Kommission jährlich beschäftigt, sind eigentlich unbezahlt? Und wie stellt die Europäische Kommission sicher, dass diese unbezahlten Praktika immerhin faire Arbeitsbedingungen bieten?

Die Antwort ist schockierend: In den Jahren 2014, 2015 und 2016 haben jeweils um die 200 junge Menschen bei der Europäischen Kommission ein Praktikum abgeleistet, ohne einen Cent Lohn dafür zu bekommen – eine erschreckend hohe Anzahl an unbezahlten Arbeitskräften, die die Europäische Kommission als Ausnahme darstellt („Es obliegt jeder Generaldirektion, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ausnahmsweise atypische Praktikanten aufzunehmen …“).

Sollte ein Praktikant oder eine Praktikantin mit den Bedingungen unzufrieden sein, könne er oder sie sich an die „Dienststelle für Humanressourcen der Kommission“ wenden.  Wie bitte?

Dieses Vorgehen ist nichts anderes als die Ausnutzung der Motivation junger Menschen und steht in keinem Verhältnis dazu, was wir uns unter einem fairen Praktikum vorstellen.

Es kann und muss auch anders gehen. Wenn Herr Oettinger wissen will, wie genau, darf er sich gerne mal unser Manifest für Faire Praktika anschauen!

 

 

Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-004895/2017

an die Kommission

Artikel 130 der Geschäftsordnung

Terry Reintke (Verts/ALE), Brando Benifei (S&D), Merja Kyllönen (GUE/NGL), Tomáš Zdechovský (PPE), Agnes Jongerius (S&D), Marijana Petir (PPE), Vladimír Maňka (S&D), Alfred Sant (S&D), Jordi Solé (Verts/ALE), Eider Gardiazabal Rubial (S&D), Fabio De Masi (GUE/NGL), Ulrike Lunacek (Verts/ALE), Marc Tarabella (S&D), Izaskun Bilbao Barandica (ALDE), Monika Vana (Verts/ALE), Seb Dance (S&D), Ernest Urtasun (Verts/ALE), Fabio Massimo Castaldo (EFDD), Karoline Graswander-Hainz (S&D), Inmaculada Rodríguez-Piñero Fernández (S&D), Soledad Cabezón Ruiz (S&D), Josep-Maria Terricabras (Verts/ALE), Isabella Adinolfi (EFDD), Jeroen Lenaers (PPE), Romana Tomc (PPE) und Ana Gomes (S&D)

Betrifft: Unbezahlte Praktika bei der Europäischen Kommission

In einer jüngsten Entscheidung hat sich die Europäische Bürgerbeauftragte gegen die Praxis unbezahlter Praktika bei den Delegationen des EAD ausgesprochen und dabei die Beschäftigung unbezahlter Mitarbeiter in einer Institution der Europäischen Union kritisiert sowie dargelegt, warum diese Praxis für junge Menschen und den Arbeitsmarkt derart schädlich ist. Die wichtigsten EU-Organe bieten in Brüssel hinreichend beworbene und vergütete Praktika an, um die sich jedes Jahr Hunderte von Personen bewerben. Es gibt jedoch bei den Organen, so auch bei der Kommission, außerdem zahlreiche unbezahlte Praktikanten.

In Anlehnung an die schriftlichen Anfragen E-003716/2016 und E-013540/2015 ersuchen wir die Kommission um die Beantwortung der folgenden Fragen:

  1. Wie viele unbezahlte Praktikanten wurden von den einzelnen Generaldirektionen der Kommission in den Jahren 2014, 2015 und 2016 jeweils beschäftigt?
  2. Wie stellt die Kommission sicher, dass die Generaldirektionen diese unbezahlten Praktika nur „einer begrenzten Zahl von Praktikanten für die Dauer von zwei bis drei Monaten“ angeboten werden (Antwort der Kommission auf die Anfrage E-013540/2015)?
  3. Welche Verfahren gibt es zur Gewährleistung einer transparenten Einstellung von diesen unbezahlten Praktikanten und fairen Arbeitsbedingungen für sie?

 

 

DE

E-004895/2017

Antwort von Herrn Oettinger

im Namen der Kommission

(10.10.2017)

  1. Die Anzahl der atypischen Praktikanten der Europäischen Kommission beläuft sich zum 1. Juni 2014 auf 183, zum 1. Juni 2015 auf 198 und zum 1. Juni 2016 auf 202. Die Anzahl der Praktikanten je Generaldirektion und Jahr (zu den oben genannten Daten verfügbar) übermittelt die Kommission dem Sekretariat des Parlaments in einem gesonderten Umschlag.
  2. Es obliegt jeder Generaldirektion, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ausnahmsweise atypische Praktikanten aufzunehmen und zu begleiten. Dieser flexible Ansatz ermöglicht es ihnen, einer begrenzten Anzahl von Interessenten einen kurzen Hospitationsaufenthalt anzubieten.
  3. Es ist festzuhalten, dass es sich bei den atypischen Praktika weder um Einstellungen noch um Arbeitsverhältnisse handelt. Diese Praktika werden auf Antrag der Interessenten von den Generaldirektionen angeboten. Kein Aufruf zur Interessenbekundung wird für diese Art von Praktikum veröffentlicht. Während des Praktikums, das einer Vereinbarung zwischen der Generaldirektion und dem Praktikanten unterliegt, liegt es in der Verantwortung der Generaldirektion, angemessene Aufnahmebedingungen sicherzustellen. Bei Bedarf kann sich ein Praktikant um Unterstützung an seinen Praktikumsbetreuer oder die Dienststelle für Humanressourcen der Kommission wenden.




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 Renate Dodell  Flickr