published at: August 19, 2015

Lasst uns über Europa diskutieren

Ich gehöre zu einer Generation von jungen Menschen in Europa, die als erste mit der Europäischen Union als einem völlig normalen Teil in ihrem Leben aufgewachsen ist. Ich habe Zeiten von Krieg und Diktatur nie durchleben müssen und der Fall des Eisernen Vorhangs ist für mich nur noch eine Kindheitserinnerung. Doch obwohl meine Generation davon profitiert, heute deutlich mehr Möglichkeiten zu haben als dies noch bei unseren Eltern der Fall war, sehen wir uns derzeit mit der größten Massenarbeitslosigkeit unter Jugendlichen konfrontiert seit sich unsere Eltern erinnern können – und das, obwohl wir keinen Einfluss auf das System nehmen konnten, das diese Krise verursacht hat.

Für uns junge Menschen ist das Friedensprojekt Europa zwar nach wie vor eine großartige Idee, aber sie allein reicht nicht mehr aus: Wir glauben nicht mehr daran, dass wir eines Tages ein besseres Leben als unsere Eltern haben werden und wir erwarten auch keinen Wohlstand mehr, der uns ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Denn statt einer Sozialunion überwiegen in der Europäischen Union die Interessen großer Unternehmen und Worte wie Partizipation, Demokratisierung und Teilhabe sind an vielen Stellen zu bloßen Worthülsen verkommen, die unter dem Deckmantel der Bürgerbeteiligung ein scheinheiliges Dasein fristen. Dabei brauchen wir doch neue Kontroversen in Europa!

Ich finde echte Beteiligungsmöglichkeiten wichtig, weil sie neue Debatten ermöglichen. Dabei halte ich Diskussionen über das Europa der Institutionen, die sehr schnell in Gefahr laufen, einem antieuropäischen Populismus zu verfallen, für sehr gefährlich. Vielmehr muss es doch darum gehen, eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung über europäische Fragen und damit über die Zukunft unserer Gesellschaft zu erreichen. Deshalb: Lasst uns Europa diskutieren, lasst uns unser Europa kontroverser machen!





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