19. August 2015

My feminism will be intersectional, Patricia!

Stell dir vor, es ist Oscar-Verleihung. 127 Menschen sind für den begehrten Filmpreis nominiert, davon sind 25 weiblich (in einigen Kategorien müssen ja Frauen nominiert werden).

Bei der Preisverleihung steht eine Frau auf der Bühne, nimmt die Trophäe als beste Nebendarstellerin für ihre Darstellung einer alleinerziehenden Mutter entgegen und ruft “It’s our time to have wage equality for once and for all and equal rights for women in the United States of America.” Die Menge tobt, applaudiert, springt von ihren Sitzen. Zu recht!

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

Ob in Hollywood, im baden-württembergischen Mittelstand oder im internationalen Großunternehmen: Frauen werden in unseren Gesellschaften im Durchschnitt schlechter bezahlt als Männer. Und mehr noch: Sie werden diskriminiert und sind in Machtpositionen kaum vertreten.

Ein weiterer Tiefpunkt, der uns diese Ungleichheit vor Augen führt, ist diese Oscar-Verleihung. Denn Frauen sind offensichtlich keine Filmemacherinnen, keine Drehbuchautorinnen und keine Kamerafrauen – zumindest kommen sie in diesen Kategorien noch nicht einmal bei der Nominierungen vor.

Patricia Arquette spricht also ein Thema an, das Feminist*innen seit Langem auf der Seele brennt und sie hat absolut recht: Diese Scheiße muss ein Ende haben. Frauen verdienen den gleichen Lohn und die gleichen Rechte.

Die Schwulen und die Schwarzen waren jetzt lang genug Thema. Lass ma‘ über Frauen reden?

Bevor sie diese wahren Worte spricht, sagt sie allerdings auch: “We have fought for everybody elses equal rights and now it is our time…” Hmm, also ist es jetzt die Zeit der Frauen? Wessen Zeit war es denn davor? Wer sind denn diese “Anderen”? LGTBQ*, Migrant*innen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen?

Also geht es – laut Patricia Arquette – jetzt also um Frauen. Welche Frauen meint sie denn damit? Offensichtlich nicht die lesbischen, Schwarzen, kinderlosen oder die Frauen mit Behinderungen. Weil das die “anderen” Frauen sind?

Es geht jetzt um die Frauen, die Kinder geboren haben und in den USA Steuern zahlen? Ich bin verwirrt. Denn ich kämpfe nicht gegen andere marginalisierte Gruppen, wenn ich für gleiche Rechte, für gerechte Bezahlung und für Emanzipation von Frauen einstehe.

Ganz im Gegenteil: Ich bin fest davon überzeugt, dass Frauen erst dann Gerechtigkeit widerfahren kann, dass sie erst dann wirklich gleich und frei sind, wenn nicht nur das Patriarchat, sondern genauso Homophobie, Rassismus und jede Form gesellschaftlicher Ausgrenzung der Vergangenheit angehören.

Intersektionalität rockt!

Bei dieser Oscar-Verleihung war nämlich nicht nur die dramatisch niedrige Frauenquote ein Problem. Schwarze Menschen kamen so gut wie gar nicht vor. Lediglich 7 % aller Nominierten waren nicht Weiß. Im Vergleich dazu waren Frauen einfach knallermäßig repräsentiert.

Wir lösen kein gesellschaftliches Ausgrenzungsproblem, indem wir andere Diskriminierungen kleinreden oder ihnen gar die Grundlage entziehen. Eigentlich verstehen wir gesellschaftliche Ausgrenzung sogar erst dann, wenn wir das gesamte Bild betrachten. Deshalb: Unser Kampf gegen Ungerechtigkeit ist nicht exklusiv für Frauen.

Ich stehe nicht in einer Schlange, bei der Jede*r mal drankommt. Ich bin Teil einer großen, inklusiven Gruppe, die gesellschaftliche Machtsysteme kritisiert und aufbrechen will. Davon sollen Frauen, LGTB*, People of Colour und schlussendlich alle Menschen profitieren.

Und wieso war Patricia Arquette trotzdem mein Höhepunkt?

Ich feiere Patricia Arquette trotzdem. Denn durch sie hat dieser Abend einen progressiven Touch bekommen. Durch sie wurde ein gesellschaftlich relevantes Thema angesprochen. Und durch sie stehen wir vor einer Kontroverse, die unseren Feminismen guttut.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei www.gruen-ist-lila.de.

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