5. April 2016

Onlinefeminist*innen, Coderinnen und ICT-Expertinnen!

Digitalisierung und Gleichberechtigung

Die digitale Agenda, eine Strategie für den digitalen Binnenmarkt, Investitionen in den Breitbandausbau, Europas digitalisierte Industrie, der elektronische Handel, der Aufbau einer digitalen Infrastruktur … Es geht rund. Auf Europäischer Ebene dreht sich viel um die sogenannte digitale Revolution: Die Europäische Kommission hat die Vollendung des digitalen Binnenmarkts zur Priorität erklärt, der zuständige Kommissar Ansip wirbt unermüdlich für das enorme Potentiale der Digitalisierung und der Brüsseler Veranstaltungskalender zu digitalen Themen scheint überzulaufen.

Sucht man allerdings nach der Einbindung von Frauen bei all den Initiativen, Projekten und Reformvorschlägen lichtet sich der Dschungel der Digitalen Agenda. Obwohl es gerade hier einiges zu tun gibt.

Ein kurzer Ritt durch die Eckdaten: Mehr Frauen im ICT Sektor könnten das BIP der EU jährlich um rund 9 Milliarden (!) Euro steigern, gerade mal 19% der Gründer*innen im digitalen Sektor sind weiblich, nur 3% der weiblichen Universitätsabsolvent*innen haben einen Abschluss in ICT, nur 9% der Entwickler*innen in der EU sind Frauen, gerade mal 30% der 7 Millionen Beschäftigten im ICT Sektor sind weiblich.

Das geht anders! Das muss anders!

Mit meinem Bericht im Frauenausschuss (link: Empowering women in the digital age) mache ich konkrete Vorschläge, was getan werden kann, um mehr Frauen für den ICT-Bereich zu begeistern. Aber eben auch welche Voraussetzungen Politik schaffen kann, um den Anteil von Frauen zu vergrößern, die Digitalisierung des Arbeitsmarkts aktiv zu gestalten oder Gewalt gegen Frauen im Netz zu begegnen.

1.) Stiftungsprofessur
Der Bericht fordert die Kommission auf, eine Stiftungsprofessur für Frauen im ICT Bereich zu schaffen. Sicherlich ist das nur ein kleines Puzzlestück. Aber es schafft Sichtbarkeit und kann eine starke Symbolkraft haben.

2.) Mehr Geld für Kick-Ass-Frauen
Wir fordern, dass die Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investment Bank ein Programm startet, das bessere Kreditkonditionen bietet für ICT Firmen, in denen mindestens 40% der Belegschaft weiblich sind. Für die Digitale Agenda gibt es ausreichend finanzielle Mittel, warum also nicht gezielt einsetzen, um den digitalen Markt bunter, gleichberechtigter und inklusiver zu machen?

3.) Kampf gegen Gewalt gegen Frauen
Im Bereich von Online-Belästigung, Stalking, Hatespeech aber auch Online-Menschenhandel, müssen nationale Behörden viel besser transnational zusammenarbeiten. Hier gibt es gute gesetzliche Grundlagen, aber bei der Umsetzung hapert es gewaltig. Zudem können europäische Gelder dafür eingesetzt werden Polizei, Richter*innen und Anwält*innen besser auszubilden, wenn es um Online-Belästigungen und Gewalt gegen Frauen online geht.

Bildet Banden!

Online wie offline. Die digitale Revolution bietet viele Chance, es gibt unzählige großartige Initiative von Frauen, hervorragende Coderinnen, bestens ausgebildete IT-Spezialistinnen, kreative Gründerinnen und „einfache“ famose Feminist*innen, die sich im World Wide Web tummeln. Wir alle müssen gemeinsam dafür kämpfen, dass es auch unsere Revolution wird: Für ein buntes, queeres, mitbestimmtes, gleichberechtigtes und feministisches Internet.

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